“W&V@live” heißt ein neues Angebot von (wer hätte das gedacht) W&V. Gesprochen wird das übrigens “W und V at live”, was sich mir zwar nicht ganz erschließt, aber das muß es ja auch nicht. Ist ja nur eine Kreation eines Fachmagazins für Werbefachleute, die allzu gerne in den schillerndsten Farben die kommunikativen Verfehlungen anderer genüßlich ausbreiten…ähm…wo war ich? Ach ja: “W&V at live also” (so lautet übrigens auch die Domain: http://www.wuvatlive.de/). Nun, sie sind also multimedial geworden. Klickt man das ganze an, erscheint ein virtuelles, 30-seitiges Heft, in dem man nach Herzenslust und unter Genuß aller in Flash aufzubietenden Spielereien schmökern kann. Filmchen, Interviews, Bilderserien, interaktive Grafiken - alles sehr schön aufbereitet und vor allem bewegt und schnell. Das macht grundsätzlich schon viel Spaß.
Grundsätzlich.
Denn die Umsetzungen ist sicherlich nett und stylish, mit all den überlagerten Bildchen, die sich per Mausberührung öffnen und Viedeoclips oder Tondokumente abspielen. Allerdings hat man hier die “Schafft endlich den Klick ab”-Rufe allzu ernst genommen und erzielt (aus meiner unbescheidenen Sicht) im Endeffekt genau das Gegenteil: Aus purer Freude am Entdecken, stöbern, anschauen wird ein nervtötender Overkill. Denn logischerweise starten die Filmchen schon bei der kleinsten Mausberührung, also auch wenn man nur mal mit dem Zeiger quer über die Seite fährt. Und das macht man halt eben so, wenn man im Netz unterwegs ist. Dazu kommt, daß man auch durchaus mal mit dem Zeiger vom Bildchen runterfährt, wenn man gerade einen Clip anschaut. Dann schließt sich das Fensterchen, man fährt wieder drüber, es öffnet sich und spielt den schon fast zuende geschauten Clip von vorne ab. Das nervt, um es auf gut Deutsch zu sagen.
Liebe WundVler: Wegen Euch lasse ich meine rechte Hand nicht in Ehrfurcht erstarren, sobald ich mir ein Filmchen anschaue…
Was dabei aber noch viel mehr stört: Bin ich von links mit der Maus auf dem Weg nach rechts und überfahre dabei eins der Bildchen, wird durch die Öffnung desselbigen der eigentlich angesteuerte Fleck verdeckt…und schon haben wir ein lustiges Auf und Zu der verschiedensten Bild- und Tonfiles. Wenn dann noch beim Überfahren sofort die Spots losgehen und auch gleich wieder aufhören, ist das einfach zu viel für meine Nerven, ganz ehrlich. Daß einige der Links tot sind und sich die falschen oder gar keine Dokumente öffnen oder daß auch auf der folgenden Seite plötzlich der Spot der vorhergehenden losgeht und mich zu Tode erschreckt, verbuche ich unter Startschwierigkeiten und nehme es nicht weiter übel.
Ein ganz persönliches Störelement ist die (ebenfalls interaktive) Werbung, die unvermittelt Bild und Ton liefert und mich beim stöbern gänzlich durcheinander bringt. Aus Sicht des darwinistischen Marketings gut gemacht: Die Aufmerksamkeit ist der Anzeige sicher. Der Nervfaktor allerdings auch. Aber ich hätte es an ihrer Stelle vermutlich ebenfalls versucht…
Meine persönliche Wunschliste an die Kreativen:
- Laßt uns klicken, liebe Leute…wir mögen es, wir brauchen es, wir schätzen die Kontrolle!
- Wenn Ihr das schon nicht wollt: Stellt eine Verzögerung ein, die die Spots nicht sofort anspringen lassen wenn man mit dem Zeiger auch nur in die Nähe des Bildchens kommt.
- Überlagerte Bilder sehen todschick aus, sind aber völliger Quark, wenn man sie direkt ansteuert und dann genau treffen muß. Nicht, daß ich mit der Maus nicht treffsicher wäre, aber: Entzerrt das ganze, macht es handlicher!
Fazit: Nett gemacht, aber ein wenig übers Ziel hinausgeschossen. Dennoch lädt das ganze zum stöbern ein - und ich werde sicherlich ab und zu reinschauen. Vielleicht ändert sich ja auch das eine oder andere Detail. Mein persönlicher Favorit: Die “Geräuschvollen Markenauftritte” auf Seite 21.
http://www.wuvatlive.de/
Interview mit Chefredakteur Dr. Jochen Kalka >>